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ethnologischer Photograph
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Willkommen    

Dr. Günther H. Tontsch, HWWA, Hamburg, 20. 1. 2006

Meine Damen und Herren,

herzlich willkommen zu der Vernissage der Ausstellung von Stephan Drube „Der nahe Fremde/Străinul apropiat“ hier im HWWA. Es war hohe, wenn nicht höchste Zeit, daß diese Ausstellung, die schon durch viele Städte Deutschlands und Rumäniens gewandert ist, auch nach Hamburg kommt. Warum? Weil Stephan Drube zwar nicht in Hamburg geboren, aber immerhin in Hamburg beruflich geprägt worden ist. Und natürlich auch Mitglied der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft für Norddeutschland ist. Er ist im Grunde also ein Hamburger und die Ausstellung beruht auf einer in von ihm noch in Hamburg entwickelten Konzeption.

Stephan Drube (Jahrgang 1948) hat in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste und an der Universität Kunsterziehung und Soziologie studiert. Seine Diplomarbeit über bayerische Bauern und eine Dokumentation über bäuerliche Kultur in Südostbayern, die in einer beachteten Ausstellung ihren Niederschlag gefunden hat, waren Vorläufer seiner volkskundlichen und anthropologischen Studien, die ihn aufgrund eines DAAD-Stipendiums 1979/1980 nach Rumänien verschlagen haben.

Rumänien scheint Drube fasziniert zu haben. Seinem Forschungsziel, Kulturlandschaften, insbesondere bäuerliche Architektur und Handwerk, im Wandel der Zeit zu beobachten und zu bewerten, konnte er in Rumänien erfolgreich nachgehen.

Seit fast 25 Jahren hat Stephan Drube die Veränderungen des dörflichen Lebens in mehreren Regionen Rumäniens studiert und fotografisch fixiert. Sein Muster war die Dokumentation zu einem bestimmten Zeitpunkt und die Wiederkehr nach 10, 20 Jahren, um die Veränderungen festzuhalten. Diese Ausstellung ist ein Ergebnis dieser Studien.

Über das Dörfliche hinaus sind Drubes Bilder eine Dokumentation zu ganz Rumänien, ein Beitrag, das Land auch aus anderer Perspektive als der von den Regierenden gewollten schönfärberischen oder dem unkundigen Medienbild des westlichen Auslands zu vermitteln.

Das ist ihm gelungen, dem „Fremden“, der ein „naher Fremder“ ist.

Natürlich vermitteln die Bilder den zerstörerischen Einfluß der modernen Zivilisation auf die Dorfgemeinschaften, die Gefährdung des bäuerlichen Handwerks. Das gilt nicht nur für Rumänien, sondern auch für den Rest der Welt. Was Drube offenbar bewegt, ist, daß dieser Prozeß in Rumänien noch nicht irreversibel scheint.

Wenn man mit Drube über seine Visionen spricht, dann merkt man bald, daß er kein Nostalgiker ist, der die alte bäuerliche Kultur wegen des guten Alten und des bösen Neuen erhalten möchte. Er meint, Europa würde eine einzigartige, noch vorhandene Kulturlandschaft verlieren, wenn auch die bäuerliche Bergkultur Rumänien verschwände. Er entwickelt sich zum Ökonomen und meint, diese Welt müßte aus Mitteln Rumäniens und der EU so erhalten und gefördert werden, wie andere Naturschutzgebiete in Europa. Das würde sich langfristig auch ökonomisch rechnen.

Utopie? Vielleicht. Aber nachdenkenswert auf jeden Fall. Das Gespräch mit dem Kulturwissenschaftler und Foto-Künstler Drube sollten Sie suchen. Es wird immer ein Gewinn für Sie sein. Ich wünsche Ihnen Spaß und Anregung bei der Besichtigung.